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Wie versprochen will ich euch von meinem Natural Horsemanship Kurs erzählen.

Der Kurs hat auf jeden Fall Spass gemacht, trotz einiger Frustrations-Erlebnisse – diese gehören wohl einfach dazu.

Jeder Tag hatte verschiedene Elemente, einerseits Theorie, dann Praxis ohne Pferd, Praxis mit imitiertem Pferd und natürlich Praxis mit Pferd.

In der Theorie war für mich vieles nicht neu, alles andere habe ich begierig aufgesogen. Wieder einmal trat meine gute Auffassungsgabe zutage und ich war oft kurz davor, mich zu langweilen. Einige Dinge waren mir unbewusst zwar schon bekannt, aber es war gut, dieses mal in Worte gefasst zu bekommen.
Vom Inhalt her lernten wir vor allem vieles über das Wesen Pferd: Wie lebt ein Pferd? Was ist für ein Pferd wichtig? Was gibt es für Charaktere? Was ist Pferdetypisch und was Vermenschlichung?
Wir lernten jedoch auch, was wichtig ist für den Umgang als Mensch mit dem Pferd.

Praxis ohne Pferd beinhaltete Übungen wie Knoten lernen, Seilschwingen, Stick-Handhabung. Dies machte mir zwar Spass, aber vor allem bei den Knoten war ich schnell unterfordert. Viel mehr Spass machten mir Übungen auf dem Trampolin und Spiele mit den anderen Kursteilnehmern. Ich bin halt immer noch ein Spielkind ^^

Lustig waren die Spiele mit imitiertem Pferd. Da gab es einerseits Henry – das geduldige und gut gepolsterte Metallpferd, an dem wir Aufsteigen und verschiedene Sitzpositionen und Zügelführungen übten, andererseits die Bolognese aus 3 Menschen, die ein Pferd imitierten. Das geht zwangsläufig nicht ohne Spass 😀

Am meisten profitieren konnte ich von den Übungen am Pferd. Da gab es knallhartes Feedback von Najem. Manchmal stand er da wie ein Fels oder er bewegte sich in alle Richtungen, ausgenommen in diejenige, in die ich ihn schicken wollte. Aber manchmal reagierte er trotz 50% Freiberger auf federleichten Druck.
Ich habe das Gefühl, dass dies bei ihm vom Respekt abhängig ist. Nimmt er mich ernst, reagiert er auch sehr fein, ansonsten muss ich ihm beweisen, dass ich es ernst meine. Insbesondere gegen Ende des Kurses wurde er immer schneller und feiner in seinen Reaktionen.

Irgendwann am dritten Tag ging es aufs Pferd. Zuerst mit Bareback-Pad, also sozusagen ohne Sattel. Und auch ohne wirkliche Zügelführung, das Einzige was wir hatten, war ein Strick auf einer Seite. Das sollte uns beibringen, nicht an beiden Zügeln zu ziehen. Steuern konnten wir damit natürlich nicht, sollten wir auch nicht. Was wir da machten nennt sich Passagierreiten. Ich gebe die Gangart vor und das Pferd die Richtung. Das war natürlich chaotisch und verwirrend mit mehreren Pferden auf dem Platz, die sich immer zu einer Traube formen wollten. Da musste man sich schon mal durch die anderen Pferd-Reiter-Paare durchkämpfen, was wohl einige blaue Flecken mitbrachte.
Ich hatte eher Angst vor den anderen Pferden, da wurde schon mal gedroht, Ohren angelegt, Zähne gebleckt usw. Trotzdem wurden wir weder gebissen noch geschlagen, wer hätte das gedacht…
Am letzten Tag ritten wir dann mit Sattel und zwei Seilen, was schon sehr viel angenehmer war, da man auch entsprechend schnell reagieren konnte und nicht erst die Seite des Seils wechseln musste.

Mein Resume: Positiv war vor allem die Arbeit am Boden mit den 7 Spielen. Da zeigten sich bei mir die meisten Defizite und da konnte ich mich auch am meisten verbessern. Die Theorie war insgesamt ok, wenn mich auch gewisse Aussagen störten, weil sie falsch waren (dem Pferd eine Pause gewähren ist nämlich KEINE positive Verstärkung und Leckerli füttern muss nicht unbedingt in Respektlosigkeit enden…). Das Spielen und der ganze spielerische Grundgedanke gefällt mir sehr gut, allerdings fehlt mir die positive Motivation. Ich bin halt einfach ein Leckerli-Freund – allerdings natürlich auch ein Gegner von sinnlosem Vollstopfen mit Leckerlis.
Besonders negativ fand ich vor allem für mich das „Lenken“ mit den Seilen. Am Knotenhalfter, bzw. Hackamore (?) zieht man links wenn man nach links will und umgekehrt. Genau davon versuche ich seit Jahren wegzukommen, denn mit der Trense sollte man genau das vermeiden.

Grundsätzlich gefallen hat mir die Nicht-Hektik der Pferde. Jedes Pferd, auch ein besonders schwieriges konnte in kürzester Zeit zur Ruhe kommen und es waren enorm schnelle Fortschritte bemerkbar. Umgekehrt kamen bereits ruhige Pferde aus sich heraus und entwickelten richtig Power.

Zusammengefasst: von der Bodenarbeit bin ich begeistert, allerdings werde ich weiter mit Leckerlis motivieren. Vom Reiten bin ich weniger begeistert, da später mit der Trense wieder ganz anders geritten werden muss und man sich somit genau etwas Falsches angewöhnt. Die freundliche und verspielte Grundhaltung gegenüber den Pferden wiederum werde ich verinnerlichen und hoffentlich beibehalten können.

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