Gestern war ich wie immer mit Najem ausreiten. Allerdings rückt der Abschied langsam in greifbare Nähe und deswegen schwankte ich gestern zwischen Freude und Traurigkeit. Freude über all das, was wir wieder einmal erleben konnten und Traurigkeit, weil das bald vorbei sein soll. Ende Mai zügelt er nämlich mit seiner Besitzerin so weit weg, dass eine Reitbeteiligung nicht mehr möglich sein wird 😦

Nach Bailyn also wieder ein Abschied von einem wundervollen Pferd. Obwohl ich bereits eine neue Reitbeteiligung in Aussicht habe, bin ich mir gerade nicht sicher, ob ich mich gleich wieder auf etwas einlassen soll.

Umso mehr möchte ich die bisherigen Erlebnisse festhalten!

Gestern war nämlich wieder sehr viel los unterwegs. Das Wetter war traumhaft, 20 Grad und Sonnenschein. Wie so oft sass ich bereits im Offenstall auf Najem und ritt mit ihm zum Ausgang. Eigentlich macht das nicht viel Sinn, denn das Platzieren an einer Aufstiegshilfe plus Aufsteigen dauert länger, als wenn ich ihn die paar Meter führen würde. Doch seit ich als Kind gesehen habe, wie jemand sein Pferd so von der Koppel holt, finde ich das wunderbar und mache es einfach gerne. Manchmal baue ich dann noch eine Gymkhana Übung ein und öffne das Tor vom Pferderücken aus.

Weil ich mich auf seinem Rücken so wohl fühlte, nahm ich nur das Pad und nicht den Sattel, wie die letzten paar Mal. Dank seiner anderen Reitbeteiligung, die immer sehr gründlich putzt, war Najem bereits fast sauber und wir konnten nach wenigen Minuten los stiefeln.

Am Anfang wirkte er noch sehr träge, das änderte sich jedoch, als Kühe unseren Weg kreuzten. Kühe sind ja spannend, witzigerweise waren sie genauso neugierig und gleichzeitig ängstlich wie Najem.

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Wie man sieht, ist das Gras einfach zu verlockend, doch seine Haltung zeigt, dass ihm die Kühe nicht ganz geheuer sind.

Einmal berührte ich Najem und er erschrak total, weil er gerade in die andere Richtung geschaut hatte – daraufhin erschraken auch die Kühe vor ihm 😀

Danach ging es gemütlicher weiter, Najem war wie immer im Frühling total im Fresswahn und saugte alles Grüne in seiner Nähe in sich hinein. Ich konnte immerhin darauf bestehen, dass er dabei nicht stehen bleibt.

Weiter ging es ein wenig rassiger, denn bald kam unsere Galoppstrecke, die wir beide immer gerne ausgiebig nutzen. Weil es recht warm war und der Boden teilweise hart, gab es zwei drei Schrittpausen dazwischen.

Als wir dann an unserem Gymkhana Platz ankamen, war dieser bereits besetzt. Sassen da doch zwei Familien und grillierten! Nun ja, wenigstens wurden die Grillstellen dadurch mal genutzt, wir spielen nämlich nur mit dem Baumstumpf, den Treppen und dem Planen-Hindernis.

Die Kinder hatten eine riesige Freude und streichelten Najem vorsichtig. Ein Mädchen um die 8 Jahre durfte dann auch ein paar Meter auf ihm reiten. Sowas kann man mit Najem problemlos machen. Für mich als Kind wäre das nämlich ein riesiges Highlight gewesen und deswegen freue ich mich immer, wenn ich jemand anderem so eine Freude machen kann.

Wir kamen dann trotzdem zu unseren Übungen, sogar mit erhöhter Schwierigkeit wegen dem Feuer. Über das Planen-Hindernis springen wir immer – aus dem Stand, nur gestern das erste Mal ohne Sattel. Ich bin ja sowieso nicht so erfahren im Springen, aber ohne Sattel, das war für mich eine Premiere. Eine von vielen, die ich mit Najem erleben durfte. Auch nach unserer steilen Galoppstrecke bot sich nochmals ein Baumstamm zum Springen an.

Somit hatte ich mit Najem die meisten Premieren erlebt. Ausreiten ohne Sattel, alle Gangarten ohne Sattel, Springen ohne Sattel und das wichtigste: absolutes gegenseitiges Vertrauen! Manchmal muss ich zwar noch absteigen (zB beim Feuer oder den Kühen), aber wenn ich am Boden bin, folgt er mir trotz sichtlichem Respekt.

Das ist etwas, worüber ich mich jedes Mal wieder über alles freue. Und genau deswegen bin ich auch so traurig, dass er weg geht, denn dieses Vertrauen haben wir in den letzten zwei Jahren aufgebaut. Bei einer neuen Reitbeteiligung fange ich diesbezüglich wieder bei null an, was mich ein wenig frustriert.

Nichtsdestotrotz bin ich wahnsinnig dankbar für die Zeit mit Najem!2014-06-01 13.36.02

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